
Incoterms 2025
einfach erklärt
Alle 11 Klauseln im Überblick – Pflichten, Kosten & Risiken verstehen. Jetzt den passenden Incoterm für Ihren Versand finden.

Über 90 % aller internationalen Kaufverträge nutzen Incoterms -- doch viele Unternehmen kennen die genauen Pflichten, Kosten und Risiken hinter den Klauseln nicht. Das kann bei Streitigkeiten teuer werden. Dieser Leitfaden erklärt alle 11 Incoterms einfach und auf Deutsch: mit Vergleichstabelle, Praxis-Beispielen und einer klaren Auswahlhilfe für Importeure, Exporteure und Spediteure.
Grundlagen
Was sind Incoterms? – Bedeutung und Definition
Incoterms (International Commercial Terms) sind 11 international anerkannte Handelsklauseln, die von der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris herausgegeben werden. Sie regeln bei grenzüberschreitenden Warenlieferungen drei zentrale Fragen: Wer trägt welche Kosten (Transport, Versicherung, Zoll)? Wo geht das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer über? Welche konkreten Pflichten hat jede Vertragspartei?
Die Bedeutung der Incoterms für den internationalen Handel ist enorm: Seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 1936 haben sich die Klauseln zum globalen Standard entwickelt und werden in über 140 Ländern angewandt. Im Kern geht es um die präzise Verteilung von Kosten, Risiken und organisatorischen Pflichten zwischen Käufer und Verkäufer – vom Verladeort bis zum Bestimmungsort.
Incoterms sind dabei keine eigenständigen Verträge, sondern ergänzende Klauseln, die in einen Kaufvertrag aufgenommen werden. Sie werden typischerweise mit einem konkreten Ort referenziert, zum Beispiel: „FCA Hamburg Incoterms 2020" oder „DDP München Incoterms 2020". Ohne die Angabe der Version (derzeit 2020) und des Lieferorts ist die Klausel nicht vollständig.
Was Incoterms regeln: die Kostenverteilung (Frachtkosten, Transportversicherung, Zollabfertigung), den Gefahrenübergang (ab welchem Punkt trägt der Käufer das Transportrisiko) und die Pflichten beider Parteien (Verladung, Entladung, Dokumente, Exportverzollung, Importverzollung). Was sie ausdrücklich nicht regeln: den Eigentumsübergang, die Zahlungsbedingungen und die Haftung bei Vertragsverletzungen.
Aktuelle Fassung
Incoterms 2020 – Die aktuell gültige Fassung
Die Incoterms 2020 sind seit dem 1. Januar 2020 die aktuell gültige Fassung der Handelsklauseln. Es gibt keine offizielle „Incoterms 2025" als eigenständige Neuauflage der ICC. Wenn im Geschäftsverkehr von „Incoterms 2025" gesprochen wird, ist damit die aktuell geltende Version 2020 gemeint. Die ICC überarbeitet die Incoterms typischerweise alle zehn Jahre – die nächste Revision wird frühestens für 2030 erwartet.
Die wichtigsten Änderungen der Incoterms 2020 gegenüber der Vorgängerversion 2010 betreffen drei Bereiche: Die Klausel DAT (Delivered at Terminal) wurde in DPU (Delivered at Place Unloaded) umbenannt, um klarzustellen, dass der Entladeort nicht zwingend ein Terminal sein muss. Bei CIP wurde die Versicherungsanforderung von der Mindestdeckung (ICC C) auf die umfassende Deckung (ICC A) angehoben – ein bedeutender Unterschied für den Versicherungsschutz. Außerdem wurde die Nutzung elektronischer Frachtdokumente (E-Bill of Lading) ausdrücklich als Standard gleichgestellt.
Incoterms-Versionen im Zeitverlauf
Alle Klauseln
Die 11 Incoterms im Überblick
Die Incoterms werden in vier Gruppen eingeteilt – von minimalen Pflichten des Verkäufers (Gruppe E) bis zur vollständigen Übernahme aller Kosten und Risiken (Gruppe D).
Gruppe E – Abholklausel
Der Käufer holt die Ware beim Verkäufer ab und trägt ab diesem Punkt alle Kosten und Risiken.
EXW
Ex Works / Ab Werk
Minimale Pflichten für den Verkäufer. Die Ware wird am Firmengelände bereitgestellt, alle Kosten und Risiken ab diesem Punkt trägt der Käufer.
Praxis-Beispiel
Ein Spediteur holt 4 Europaletten Maschinenteile direkt ab Werk in Bielefeld ab.
Gruppe F – Haupttransport unbezahlt
Der Verkäufer übergibt die Ware an einen Frachtführer oder Hafen. Den Haupttransport organisiert und bezahlt der Käufer.
FCA
Free Carrier / Frei Frachtführer
Meistgenutzter Incoterm weltweit. Der Verkäufer übergibt die exportverzollte Ware an einen vom Käufer benannten Frachtführer am vereinbarten Ort.
Praxis-Beispiel
Ein Maschinenbauer aus Stuttgart übergibt eine CNC-Anlage an den Spediteur des Käufers am eigenen Werk.
FAS
Free Alongside Ship / Frei Längsseite Schiff
Nur für Seefracht. Der Verkäufer liefert die exportverzollte Ware längsseite des Schiffes im benannten Verschiffungshafen.
Praxis-Beispiel
Schwere Stahlträger werden per LKW zum Hafen Hamburg gebracht und dort neben dem Frachter platziert.
FOB
Free On Board / Frei an Bord
Nur für Seefracht. Der Verkäufer liefert die Ware an Bord des vom Käufer benannten Schiffes. Ab der Schiffsreling gehen Kosten und Risiken auf den Käufer über.
Praxis-Beispiel
Ein Exporteur in Shanghai lädt 2 Container Elektronik auf das vom deutschen Importeur gebuchte Containerschiff.
Gruppe C – Haupttransport bezahlt
Der Verkäufer bezahlt den Transport bis zum Ziel, das Risiko geht aber bereits am Abgangsort auf den Käufer über (Zweipunktklauseln).
CFR
Cost and Freight / Kosten und Fracht
Nur für Seefracht. Der Verkäufer zahlt die Fracht bis zum Bestimmungshafen. Das Risiko geht jedoch bereits bei Verladung im Abgangshafen auf den Käufer über.
Praxis-Beispiel
Ein chinesischer Lieferant bucht und bezahlt die Seefracht bis Hamburg, das Transportrisiko liegt aber ab Shanghai beim Käufer.
CIF
Cost, Insurance and Freight / Kosten, Versicherung, Fracht
Nur für Seefracht. Wie CFR, aber der Verkäufer muss zusätzlich eine Seetransportversicherung mit Mindestdeckung (ICC C) abschließen.
Praxis-Beispiel
Import von Textilien aus Bangladesch: Der Lieferant zahlt Fracht und Versicherung bis Bremerhaven.
CPT
Carriage Paid To / Frachtfrei
Für alle Transportarten. Der Verkäufer zahlt den Transport bis zum Bestimmungsort, das Risiko geht aber bereits bei Übergabe an den ersten Frachtführer über.
Praxis-Beispiel
Luftfrachtversand von Medizintechnik: Der deutsche Hersteller zahlt die Fracht bis zum Flughafen Tokio.
CIP
Carriage and Insurance Paid To / Frachtfrei versichert
Wie CPT, aber der Verkäufer muss zusätzlich eine Transportversicherung abschließen. Seit den Incoterms 2020 ist eine umfassende Deckung nach ICC A vorgeschrieben.
Praxis-Beispiel
Versand empfindlicher Laborgeräte per Luftfracht: Der Verkäufer bezahlt Fracht und umfassende Versicherung bis zum Empfänger.
Gruppe D – Ankunftsklauseln
Der Verkäufer trägt Kosten und Risiken bis zum Bestimmungsort. Die komfortabelste Lösung für den Käufer.
DAP
Delivered at Place / Geliefert benannter Ort
Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken bis zum vereinbarten Bestimmungsort. Nur die Entladung und der Importzoll liegen beim Käufer. Einer der beliebtesten Incoterms für EU-Lieferungen.
Praxis-Beispiel
Regelmäßige LKW-Lieferung von Automobilteilen aus Wolfsburg nach Wien: geliefert frei Rampe, Entladung durch den Empfänger.
DPU
Delivered at Place Unloaded / Geliefert benannter Ort entladen
Der einzige Incoterm, bei dem der Verkäufer auch die Entladung am Bestimmungsort übernimmt. Ersetzt seit 2020 den früheren DAT (Delivered at Terminal).
Praxis-Beispiel
Großmaschinenlieferung: Der Verkäufer organisiert Transport und Kranentladung am Terminal des Käufers.
DDP
Delivered Duty Paid / Geliefert verzollt
Maximale Pflichten für den Verkäufer: Er trägt alle Kosten und Risiken einschließlich Importzoll und Steuern im Bestimmungsland. Für den Käufer die komfortabelste Lösung.
Praxis-Beispiel
Ein Online-Händler importiert Elektronik aus Shenzhen. Der chinesische Lieferant übernimmt Seefracht, Zoll und Zustellung bis ins Lager in Frankfurt.
Transportarten
Multimodale vs. maritime Incoterms
Die 11 Klauseln lassen sich nach der zulässigen Transportart in zwei Gruppen einteilen. Ein häufiger Fehler: Maritime Klauseln werden bei LKW- oder Luftfracht verwendet. Das kann die Klausel unwirksam machen.
7 multimodale Klauseln
Alle Transportarten (LKW, Bahn, Luft, See)
4 maritime Klauseln
Nur See- und Binnenschifffahrt
Achtung: Verwenden Sie maritime Klauseln (FAS, FOB, CFR, CIF) nicht für Luftfracht oder LKW-Transport. Für Container am Terminal sind FCA, CPT oder CIP die richtige Wahl.
Kosten & Risiken
Kosten und Risiken – Wer trägt was?
Der Gefahrenübergang ist das Kernstück jedes Incoterms: An welchem Punkt geht das Transportrisiko vom Verkäufer auf den Käufer über? Wird die Ware nach diesem Punkt beschädigt oder geht verloren, trägt der Käufer den Schaden – selbst wenn der Verkäufer den Transport bezahlt hat.
Der Kostenübergang definiert, wer welche Transportkosten zahlt: Frachtkosten, Versicherungsprämien, Verlade- und Entladekosten, Terminal-Gebühren und Zollabfertigungskosten. Bei den meisten Klauseln fallen Kosten- und Gefahrenübergang am selben Punkt zusammen – mit einer wichtigen Ausnahme.
Bei den C-Klauseln (CPT, CIP, CFR, CIF) fallen Kosten- und Gefahrenübergang auseinander. Der Verkäufer bezahlt zwar den Transport bis zum Bestimmungsort, das Risiko geht aber bereits bei Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer über. Diese sogenannten Zweipunktklauseln sind in der Praxis besonders erklärungsbedürftig: Viele Käufer gehen fälschlich davon aus, dass der Verkäufer auch das Transportrisiko bis zum Ziel trägt.
Im Gegensatz dazu sind die E-, F- und D-Klauseln Einpunktklauseln: Kosten und Risiko gehen am selben Punkt über. Das macht sie einfacher zu verstehen und reduziert Streitigkeiten bei Transportschäden.
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Incoterms Tabelle
Incoterms Vergleichstabelle – Alle 11 Klauseln im Detail
Die vollständige Incoterms Übersicht: Transportart, Kostenverteilung, Risikoübergang, Versicherungspflicht und Zollverantwortung auf einen Blick.
| Incoterm | Kurzname | Transport | Kosten bis | Risiko bis | Versicherung | Zoll Export | Zoll Import |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| EXW | Ab Werk | Alle | Bereitstellung | Bereitstellung | Keine | Käufer | Käufer |
| FCA | Frei Frachtführer | Alle | Frachtführer | Frachtführer | Keine | Verkäufer | Käufer |
| FAS | Frei Längsseite Schiff | See | Längsseite Schiff | Längsseite Schiff | Keine | Verkäufer | Käufer |
| FOB | Frei an Bord | See | An Bord | An Bord | Keine | Verkäufer | Käufer |
| CFR | Kosten und Fracht | See | Bestimmungshafen | An Bord (Verschiffungshafen) | Keine | Verkäufer | Käufer |
| CIF | Kosten, Versicherung, Fracht | See | Bestimmungshafen | An Bord (Verschiffungshafen) | Mindestdeckung (ICC C) | Verkäufer | Käufer |
| CPT | Frachtfrei | Alle | Bestimmungsort | Erster Frachtführer | Keine | Verkäufer | Käufer |
| CIP | Frachtfrei versichert | Alle | Bestimmungsort | Erster Frachtführer | Umfassend (ICC A seit 2020) | Verkäufer | Käufer |
| DAP | Geliefert benannter Ort | Alle | Bestimmungsort (nicht entladen) | Bestimmungsort (nicht entladen) | Keine | Verkäufer | Käufer |
| DPU | Geliefert benannter Ort entladen | Alle | Bestimmungsort (entladen) | Bestimmungsort (entladen) | Keine | Verkäufer | Käufer |
| DDP | Geliefert verzollt | Alle | Bestimmungsort (verzollt) | Bestimmungsort (verzollt) | Keine | Verkäufer | Verkäufer |
Stand: Incoterms 2020 (gültig seit 01.01.2020, voraussichtlich bis mindestens 2030). Grün = Verkäufer-Pflicht, Gelb = Käufer-Pflicht.
Praxis-Beispiele
Incoterms in der Praxis – Beispiele für Ihr Geschäft
Vier konkrete Szenarien aus dem Logistik-Alltag zeigen, welcher Incoterm wann die richtige Wahl ist – und was passiert, wenn Sie die falsche Klausel wählen.
Import aus China per Seefracht
Ein Online-Händler importiert regelmäßig Elektronik per Seefracht aus Shenzhen nach Hamburg.
Empfehlung: FOB Shenzhen
FOB ist der Standard für Seeimporte: Sie zahlen nur den Warenpreis bis Verladung und wählen selbst die günstigste Seefracht über CARGOLO. Voller Vorsteuerabzug der EUSt bleibt erhalten – bei DDP gehen 19 % EUSt verloren.
Bei DDP kann der Käufer die Einfuhrumsatzsteuer (19 %) nicht als Vorsteuer abziehen – ein erheblicher Kostennachteil bei regelmäßigen Importen.
Abholung ab Werk in Asien
Ein Maschinenbauer kauft Zulieferteile direkt ab Fabrik in Shenzhen. CARGOLO organisiert den Transport.
Empfehlung: EXW Shenzhen
EXW bietet den niedrigsten Einkaufspreis – Sie zahlen nur den reinen Warenwert. CARGOLO organisiert Abholung, Export und Seefracht ab Werk. Sie behalten die volle Kontrolle über die Lieferkette und den Vorsteuerabzug.
Ohne erfahrenen Logistikpartner erfordert EXW lokale Kenntnisse. Mit CARGOLO wird EXW zum strategischen Vorteil.
Maschinenbau-Export nach China
Ein Stuttgarter Maschinenbauer exportiert eine Fertigungsanlage (Wert: 450.000 EUR) nach Shanghai.
Empfehlung: FCA oder DAP
Bei FCA erledigt der Verkäufer die Exportverzollung und übergibt an den Spediteur. Bei DAP liefert der Verkäufer bis Shanghai, der Käufer übernimmt den chinesischen Importzoll.
DDP nach China ist komplex: Es wird ein Fiskalvertreter benötigt und die EUSt-Problematik erschwert die Abrechnung.
Regelmäßige EU-Lieferung per LKW
Ein Automobilzulieferer liefert wöchentlich Karosserieteile von Wolfsburg nach Wien.
Empfehlung: DAP
Innerhalb der EU ist DAP der effizienteste Incoterm: Kein Importzoll (EU-Binnenmarkt), der Verkäufer liefert bis zur Rampe des Empfängers, nur die Entladung übernimmt der Käufer.
DDP wäre bei EU-Lieferungen unnötig aufwendig, da kein Importzoll anfällt.
Wichtige Abgrenzung
Was Incoterms nicht regeln
Incoterms decken nur einen Teil des Kaufvertrags ab. Für folgende Aspekte brauchen Sie separate vertragliche Regelungen – diese werden von Incoterms bewusst ausgeklammert:
Auswahlhilfe
Den richtigen Incoterm wählen – 5 Entscheidungsfaktoren
Die Wahl des richtigen Incoterms hängt von Ihrer Erfahrung, der Transportart und der gewünschten Kontrolle ab. Fünf Entscheidungsfaktoren helfen bei der Auswahl:
Erfahrung: Wer hat mehr Expertise im internationalen Versand? Der Erfahrenere sollte mehr Verantwortung übernehmen.
Transportart: Seefracht? Dann kommen auch maritime Klauseln in Frage. LKW oder Luftfracht? Nur multimodale Klauseln verwenden.
Kontrolle: Wollen Sie den Transport selbst steuern? Dann eignen sich F-Klauseln. Soll der Verkäufer alles regeln? D-Klauseln.
Zoll: Können Sie die Importverzollung selbst übernehmen? Falls nicht, ist DDP die sicherste Wahl.
Versicherung: Brauchen Sie eine Transportversicherung? CIP und CIF beinhalten diese – bei allen anderen müssen Sie selbst abschließen.
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FAQ
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